Ackerberichte

Erfahrungsberichte unserer Mitglieder

Margit und Gerolds Erfahrungsbericht:

Wir sind seit diesem Jahr bei der SoLaWi dabei. Da vorhergehende Arbeitseinsätze mit unseren Terminen nicht so einfach in Einklang zu bringen waren, haben wir uns kürzlich beim Folienhausaufbau miteingebracht. Nachdem alle Helfer sich auf dem Musterschen Hof eingefunden und bekannt gemacht hatten, ging es auf den Acker. Ganz spontan haben sich Leute zusammen getan, um die von Toni und Anne benannten Aufgaben zu meistern. Unser Team von 5 bis 6 Personen hatte die etwas puzzleartige Aufgabe, eine der beiden Stirnseiten zu erstellen. Nach Sichtung der Abbaubilder konnte das Rätsel, mit etwas hin- und herprobieren der sperrigen Teile, zufriedenstellend gelöst werden.

Die Zeit verging wie im Fluge und bei sommerlichen Temperaturen kam man sogar ins Schwitzen. Und das Beste, man kann wunderbar vom Alltag abschalten. Die Arbeit in der Natur erdet und wir können jedem empfehlen den ein oder anderen Arbeitseinsatz mitzumachen.

Der Folientunnel und ich

Es war heiß an jenem Tag, wohl einer der heißesten Tage des Sommers. Warum wir uns gerade diesen Tag ausgesucht haben, lässt sich heute nur noch schlecht sagen. Aber wahrscheinlich ist es auch egal gewesen, da so viele Tage in diesem Sommer anno 2018 heiß waren. Und wir waren aufgebrochen, um unseren Folientunnel abzubauen. Er stand artig noch am falschen Ort. Noch heute fühle ich die Sonne auf meiner Haut brennen, wenn ich daran denke, wie ich zusammen mit den Anderen vor diesem nicht enden wollenden Palast der Pflanzenzucht stand und mich fragte „Echt jetzt?“.

Stahlbogen reihte sich an Stahlbogen, eins, zwei, drei, vier, fünf, gefühlt einfach viel zu viele. Doch dann kam der zweite Gedanke „Cool, so viel Platz für Gemüse!“. Als wir erst einmal angefangen hatten und der Folientunnel Stück für Stück fiel, setzte sogar dann und wann ein Gefühl von tiefer Befriedigung ein, ein Gefühl des Triumpfes. Und die Ahnung einer Erleichterung, wenn man vom Inneren des Tunnels ins Freie getreten ist, und die Außentemperatur von über 30°C als angenehm frisch empfunden hat. Auch empfand ich gegenüber meinen Mitstreitern eine tiefe Verbundenheit, bis hin zur grenzdebilen Dankbarkeit. Dass auch der zweite Tag des Abbaus so heiß werden würde, ahnte ich damals noch nicht. Doch der Sonnengott hat unser Opfer aus Schweiß und ein paar Erdankern im steinharten Boden akzeptiert und uns alle wohlbehalten mit unserem Folientunnel als Lohn von dannen ziehen lassen.

Dann sprach das Amt sein Recht. Denn Recht ist da, wo der Daumen des links-liberalen Bildungsbürgertums grün ist, oder so.

Mutter Natur legte nach. Es hatte gefroren die Wochen zuvor. Die Wochen danach hat es gestürmt. Zwischendrin flog uns die Folie um die Ohren. Wahrscheinlich sollte ich dankbar sein, dass zumindest das Stahlgerüst stehen geblieben ist, aber ich tat mich schwer mit Dankbarkeit an jenem zweiten Tag des Aufbaus im Frühjahr 2019. Denn der Plan war gut. Zwei Tage Abbau, zwei Tage Aufbau, maximal drei. Aber vielleicht werden es auch fünf? Wer weiß sowas schon? Ich jedenfalls nicht.

Bild schlägt Wort. Und Papier schlägt Stein. Ergo ist ein Bild auf Papier eine bessere Anleitung als Worte auf Stein? Alles eine Frage der Logik. Doch das galt nicht für das Puzzle aus Stahlrohren, das einmal ein Tor werden wollte. Hier siegte der Glaube, dass wir es am Ende schaffen werden. Die Luft steht zwar noch still im Inneren unseres Folientunnels, dafür sitzt, passt und wackelt die Zeit für das beste famose Feingemüse der Saison.

Danke an alle, die mit mir zusammen mit Freude und Feuereifer geschwitzt, gelitten und gelacht haben.

Mit Gunst und Verlaub!

Ein Philosoph spricht frisch vom Faß,
die meisten Menschen suchen was.
Der eine Land, die andre wacker,
Bio-Gemüse auf dem Acker,
der dritte wünscht sich Kohlrabi,
die vierte will ne SoLaWi.
Die fünfte die sucht Stimmen,
von Vögeln oder Immen.
So mancher möcht vermessen,
was Nachhaltiges zum Essen.
Man sucht den Streit,
man sucht das Glück,
man wünscht sich eine bessere Zeit.
Ein jeder sucht ein kleines Stück
vom Himmelreich und großen Glück.
Kurzum und endlich rund heraus,
die Klügsten wünschen sich ein Haus.
Ein Haus im Felde grün,
ein Haus wie dieses hier.
Möge uns viel Freude darin erblühen,
jawohl das wünschen wir.
Und sowie das leere Glas zerspringt am Grund
geweiht sei der Folientunnel zur Stund!

Prost!

Katrin, April 2019

Luisas Erfahrungsbericht:

Das erste Jahr SoLaWi: Mehr als nur ein neuer Umgang mit LEBENsmitteln Es ist Herbst und die Ernte weiterhin reichhaltig und super lecker. Gerade mit den tollen Kürbissen der letzten Wochen hat mich ‚unsere Anne‘ sehr glücklich gemacht. Seit dem Frühjahr bin ich jede Woche aufs Neue gespannt, was mich in den Körben in unserem Depot erwartet und mache mir schon auf dem Rückweg die ersten Gedanken, was in den nächsten Tagen gekocht wird. Die ganz frischen Sachen (z.B. Salat, Spinat, Mangold) gibt es noch am Abend oder sie wandern in einen Smoothie. Das Gemüse, das sich lagern lässt, reicht bei uns bis zur nächsten Ernte. Am Wochenende wird nur noch ergänzend das eingekauft, was eben nicht auf einem Acker hier in Deutschland wachsen kann.

Das Resultat sind jede Menge leckere, saisonale Gerichte: Von gebackener Rote Beete über Dicke-Bohnen-Gemüse bis hin zu Zucchini-Puffer. Und ja: Es schmeckt besser, wenn man genau weiß, dass diese Dinge auf einem Acker gewachsen sind, der Luftlinie 2 Kilometer entfernt ist und den man jeder Zeit besuchen kann. Wenn man weiß, dass das Gemüse weder Pestizide gesehen hat, noch lange Lager- und Transportketten hinter sich hat. Wenn man die Person kennt und schätzt, die das Gemüse für einen anbaut und erntet (danke, Anne!). Auch ist man selbst ein bisschen stolz, wenn man durch den ein oder anderen Feldeinsatz etwas dazu beigetragen hat. Dem ökologischen Gewissen hilft es natürlich auch; und unser Sohn lernt Lebensmittel so kennen, wie es sein sollte: Im Urzustand, ohne Hochglanzpolitur in Plastikfolie verschweißt. Ganz nebenbei lernt man nette Leute aus der Region kennen, die dasselbe Ziel verfolgen: Leckeres und einfach gutes Essen.

Hans-Peters Erfahrungsbericht:

Solawi – hä? So ähnlich war meine Reaktion, als Luisa mir von dem Projekt erzählt hat. Ich hatte niemals zuvor davon gehört. Dennoch musste sie mich nicht zu sehr überreden, denn das Thema Nahrungsmittel geht mir schon lange durch den Kopf. So viele Menschen auf der Welt und es werden immer mehr… Für mich steht es fest, dass die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln irgendwann auch für die Supermarkt-verwöhnten Menschen ein Problem wird. Deshalb sollten wir die regionalen Möglichkeiten zur Nahrungsproduktion schätzen und fördern. Das beschreibt in etwa meine Motivation für den Einstieg in das Thema Solawi. Es hat auch Spaß gemacht, bei der Gründung des Vereins mitzuwirken, ich war schon vor über 25 Jahren bei der Gründung von Energiewende Rüsselsheim dabei. Auch damit waren wir unserer Zeit weit voraus.

Das Ganze hat sich dann sehr zu meiner Freude entwickelt. Das Gemüse ist wirklich super geschmakkelig. Es sieht nicht so aus, wie aus dem Supermarkt, schmeckt aber besser. Ich musste lernen, mit dem Angebot zu kochen, anstelle des Einkaufs im Supermarkt passend zum ausgewählten Rezept. Das ist schon eine Umstellung, aber die Herausforderung nehme ich gerne an. Auch steht plötzlich die Haltbarmachung von Gemüse auf der Tagesordnung und ich freue mich z. B. über selbst eingelegte Kürbisse.

Es war auch ein Jahr mit neuen Erfahrungen für meine Sinne: Der erfolgreiche Kampf gegen die Kartoffelkäferplage (Ich habe gelernt Eier, Maden und Käfer selbst zu erkennen); Die Kelterfeste mit ihren Düften und die Kartoffelernte mit den großen Mengen an selbst geernteten „Töften“; Die Mitarbeit bei der Ernte an einem wunderbaren späten Nachmittag Ende September in der Sonne.

Insgesamt bleibt ein richtig gutes Gefühl und ich freue mich auf das nächste Jahr, das ganz bestimmt noch besser wird.

Silkes Erfahrungsbericht, den sie geschrieben hat, um die Mitglieder in einem anderen Verein über die SoLaWi zu informieren:

Um das Konzept kurz zu erklären: Das Ganze ist ein Verein, der aus den monatlichen Beiträgen die Bewirtschaftung eines Bioland-Hofs in Königstädten finanziert. Im Gegenzug erhält jedes Mitglied wöchentlich einen Ernteanteil Gemüse. Der Verein hat sich vor einem dreiviertel Jahr gegründet und seit etwa Mai bekommen wir Gemüse.

Ich kann nach den Erfahrungen des ersten halben Jahres nur sagen: für mich war es eine gute Entscheidung. Es hat natürlich nur Sinn für Leute, die regelmäßig kochen, denn das Gemüse wächst und wird geerntet, ob man nun gerade Lust darauf hat oder nicht. Aber es ist von hervorragender Qualität und natürlich extrem frisch – im besten Falle liegt es eine Stunde nach der Ernte im eigenen Kühlschrank.

Vielen herzlichen Dank an Katrin, Luisa, Silke und Hans-Peter für ihre Erfahrungsberichte!